Woran wird Erfolg gemessen?
- 2. Juli
- 3 Min. Lesezeit

Wir starten gleich mit einer Frage in diesem Beitrag: Was bedeutet Erfolg für dich?
Ein hoher Kontostand? Ein regelmässiges, üppiges Gehalt? Der Wert deiner Immobilie? Die Höhe der Abfindung, die irgendwann mal kommen soll?
Erfolg ist in der Wahrnehmung vieler Menschen zu etwas geworden, das man mehr oder weniger auf einem Kontoauszug ablesen kann. Schwarz auf weiss, eindeutig, vergleichbar. Aber wer sagt eigentlich, dass das die richtige Masseinheit ist?
Wir sehen seit über 45 Jahren in der Finanzbranche stetig Menschen, die genau diese eine Zahl verfolgen. Manche haben sie erreicht. Und doch sitzen sie uns gegenüber mit einem Gesicht, das eher nach Erschöpfung als Erfolg aussieht. Denn die Zahl auf dem Konto sagt nichts darüber aus, was sie gekostet hat. Wie viele Abende. Wie viele Wochenenden. Wie viele Jahre, in denen das eigentliche Leben stattfinden sollte.
Genau hier setzt eine andere Rechnung an, die kaum jemand aufmacht: Nicht „Wie viel Geld am Ende?", sondern „Wie viel Lebenszeit habe ich dafür hergeben müssen?" Erfolg wäre demnach nicht der höchste Kontostand, sondern der geringste Einsatz an unwiederbringlicher Lebenszeit für das, was am Ende dabei herauskommt.
Lebenszeit = die einzige Währung, die sich nicht nachkaufen lässt
Geld lässt sich verdienen, verlieren und wieder verdienen. Lebenszeit nicht. Sie ist die einzige Ressource, von der jeder von uns ein festes, unbekanntes, nicht verlängerbares Kontingent besitzt. Und doch behandeln die meisten von uns diese Ressource wie das Letzte, worüber man nachdenkt, während jede Investition, jeder Vertrag und jede Zulage sorgfältig geprüft wird.
Wenn Lebenszeit aber tatsächlich der einzig ehrliche Massstab ist, dann verändert sich auch die Frage, welche wir an unsere Investitionen und Vorsorge stellen sollten. Nicht: „Was bekomme ich am Ende ausgezahlt?" Sondern: „Welche Lebenszeit gewinne ich schon heute?"
Wenn wir diese ganzen Gedankengänge wie eine Art Lebenszeitkonto betrachten, dann wird schnell deutlich, wie unverantwortlich es ist, was einem Grossteil der Menschheit als Reichtum oder Erfolg vorschwebt. Die Lebenszeit ist die grosse, unbekannte, endliche Ressource. Gleicht es also nicht völligem Wahnsinn, leichtfertig von diesem Konto abbuchen zu lassen? Eine rhetorische Frage, jedoch untermauert sie die Dramaturgie dieser leichtfertigen Ressourcenverschwendung.
Und dann kommt die Rente
Bleiben wir ehrlich: Über kaum ein Thema wird so viel gesprochen und so wenig hinterfragt wie über die Rente. Sie gilt als das grosse Ziel, der Lohn für ein Leben voller Verzicht. Arbeite, spare, halte durch, denn am Ende wartet die Rente als grosse Belohnungsphase.
Aber ist sie das wirklich noch? Wieder eine rhetorische Frage…
Wir erleben in unseren Gesprächen immer wieder Menschen, die kurz vor oder kurz nach dem Renteneintritt stehen und feststellen: Da ist eine Leere, mit der niemand gerechnet hat. Jahrzehnte war der Tag durch Arbeit strukturiert, durch Aufgaben, durch das Gefühl, gebraucht zu werden. Und plötzlich ist da Zeit nur für mich. Endlich, scheinbar im Überfluss. Aber oft ist da auch die Erkenntnis, dass ein grosser Teil des eigentlichen Lebens irgendwo zwischen Terminen, Überstunden und „Das mache ich dann später" verloren gegangen ist.
Und wofür? Für einen Monatssatz, der in den seltensten Fällen dem entspricht, was über Jahrzehnte hinweg an Leistung erbracht wurde. Für ein Auskommen, das oft gerade so reicht, um über die Runden zu kommen. Und das in einer Lebensphase, in der die Gesundheit, die Energie und manchmal auch die Menschen, mit denen man all das hätte teilen wollen, schon lange nicht mehr da sind.
Ist das wirklich der Deal, den wir eingehen wollen? Vierzig, fünfundvierzig Jahre Lebenszeit gegen einen schmalen monatlichen Betrag und eine Phase, die viele eher als Vakuum empfinden?
Wir sagen nicht, dass es falsch ist, fürs Alter vorzusorgen. Aber Vorsorge sollte kein Vorwand sein, das eigentliche Leben auf einen Zeitpunkt zu verschieben, der vielleicht kommt, vielleicht aber auch ganz anders aussieht als geplant. Vorsorge sollte bedeuten, dir schon heute Lebenszeit zu sichern und nicht nur eine Zahl in ferner Zukunft.
Die eigentliche Frage
Vielleicht ist die ehrlichere Frage also nicht: „Wie viel werde ich am Ende haben?" Sondern: „Wie viel von meinem Leben werde ich tatsächlich gelebt haben, wenn ich dort ankomme?"
Geh mit uns gemeinsam den guten Weg und lass uns ein Konzept entwickeln, welches nicht nur deinen Kontostand, sondern auch deine Lebenszeit im Blick behält.



